Eine belastbare Bestandsaufnahme ist die Grundlage jedes zukünftigen AD-Projekts

Bevor eine historisch gewachsene Active-Directory-Umgebung modernisiert, gehärtet oder migriert wird, muss zunächst verstanden werden, was tatsächlich vorhanden ist.

Gerade bei AD-Umgebungen, die über viele Jahre oder Jahrzehnte gewachsen sind, reicht es nicht, einige Benutzer, Gruppen und Gruppenrichtlinien zu exportieren. Für eine belastbare Entscheidungsgrundlage braucht es eine strukturierte technische und sicherheitsbezogene Bestandsaufnahme.

Mein Ansatz: So viel wie möglich automatisiert erfassen – anschließend fachlich bewerten.

Was sollte dokumentiert und analysiert werden?

Eine Enterprise-Bestandsaufnahme sollte unter anderem folgende Bereiche umfassen:

Forest- und Domain-Struktur

  • Forests, Domains und Trusts

  • Forest- und Domain Functional Levels

  • Domain Controller und Betriebssystemversionen

  • FSMO-Rollen

  • Global Catalogs

  • AD Sites und Subnetze

  • Replikation und Replikationsfehler

DNS und grundlegende AD-Infrastruktur

  • AD-integrierte DNS-Zonen

  • Forwarder und Conditional Forwarder

  • DNS-Registrierung der Domain Controller

  • veraltete oder fehlerhafte DNS-Einträge

  • Abhängigkeiten zwischen DNS, Sites und Replikation

Benutzer und Computer

  • aktive und deaktivierte Konten

  • lange nicht verwendete Konten

  • veraltete Computerobjekte

  • Service Accounts

  • Konten mit besonderen Einstellungen

  • privilegierte Konten

  • Kennwort- und Anmeldeeigenschaften

Gruppen und Berechtigungsstrukturen

  • Security- und Distribution-Gruppen

  • Gruppenverschachtelungen

  • privilegierte Gruppen

  • verwaiste oder nicht mehr verwendete Gruppen

  • direkte Benutzerzuweisungen statt rollenbasierter Gruppenmodelle

  • problematische oder historisch gewachsene Berechtigungsketten

Organizational Units

  • bestehende OU-Struktur

  • Delegationen

  • Vererbung

  • Block Inheritance

  • Verknüpfungen mit Gruppenrichtlinien

  • Abweichungen zwischen organisatorischer und sicherheitstechnischer Struktur

Group Policies

  • sämtliche GPOs

  • GPO-Verknüpfungen

  • Security Filtering

  • WMI-Filter

  • deaktivierte oder nicht verknüpfte GPOs

  • widersprüchliche Einstellungen

  • veraltete Richtlinien

  • sicherheitsrelevante Konfigurationen

Privilegierte Identitäten

  • Domain Admins

  • Enterprise Admins

  • Schema Admins

  • Administrators

  • Account Operators, Server Operators und Backup Operators

  • verschachtelte privilegierte Gruppenmitgliedschaften

  • administrative Service Accounts

  • dauerhaft vergebene administrative Rechte

Was lässt sich automatisieren?

Ein erheblicher Teil dieser Bestandsaufnahme kann mit PowerShell automatisiert werden.

Beispielsweise können Skripte strukturierte Daten zu Benutzern, Gruppen, Computern, OUs, GPOs, Domain Controllern, Sites, Subnetzen, Trusts, FSMO-Rollen und privilegierten Gruppen erfassen und in CSV-, JSON-, HTML- oder andere weiterverarbeitbare Formate exportieren.

Das reduziert nicht nur den manuellen Aufwand. Eine automatisierte Erfassung schafft auch eine reproduzierbare Baseline, gegen die spätere Änderungen verglichen werden können.

Für umfangreichere Analysen können – abhängig von Zielsetzung, Sicherheitsanforderungen und Umgebung – zusätzlich etablierte Werkzeuge eingesetzt werden, beispielsweise:

  • Microsoft PowerShell und die ActiveDirectory-/GroupPolicy-Module

  • dcdiag

  • repadmin

  • Microsoft Security Compliance Toolkit

  • Microsoft Defender for Identity

  • PingCastle

  • Purple Knight

Dabei ist wichtig: Ein Tool ersetzt keine Architektur- und Sicherheitsbewertung.

Ein Scanner kann Auffälligkeiten finden. Er kann aber nicht zuverlässig entscheiden, warum eine Struktur entstanden ist, welche Geschäftsanforderungen dahinterstehen oder ob eine bestimmte Abhängigkeit weiterhin benötigt wird.

Das Ziel ist nicht nur eine Dokumentation

Am Ende sollte deshalb nicht einfach ein mehrere hundert Seiten langer Bericht entstehen.

Benötigt wird eine entscheidungsfähige Dokumentation:

Was haben wir?
Was davon wird noch benötigt?
Wo bestehen technische Schulden?
Wo liegen Sicherheitsrisiken?
Welche Abhängigkeiten existieren?
Was kann bereinigt werden?
Was muss migriert werden?
Und was sollte bewusst nicht in eine zukünftige AD-Struktur übernommen werden?

Erst mit dieser Grundlage lässt sich fundiert entscheiden, ob die bestehende Umgebung modernisiert werden sollte oder ob der Aufbau einer neuen, sauber strukturierten Zielumgebung mit anschließender Migration langfristig die bessere Lösung darstellt.

In Teil 3 gehe ich deshalb tiefer auf die Analyse von privilegierten Identitäten, administrativen Berechtigungen und die Vorbereitung einer modernen administrativen Sicherheitsstruktur ein.

➡️ Teil 1: Entwicklungsumgebung aufbauen und die Ausgangslage bewerten
➡️ Teil 2: Bestandsaufnahme und automatisierte AD-Analyse
➡️ Teil 3: Privilegierte Identitäten, administrative Ebenen und Security-Analyse

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